Italien
Die Skepsis bezüglich der staatlichen Kompetenz und Verantwortlichkeit verhinderte das Vertrauen in die Verwaltung und schuf einen Geist, aus dem später die Mafia hervorgehen sollte. Der so genannte menefregismo, eine Haltung, die nur das eigene Interesse berücksichtigt und Wertvorstellungen ausblendet, umschreibt das politische Desinteresse am besten.
Ganz anders stellte sich die Situation in den Städten Nord- und Mittelitaliens dar, wo die Grenzen zwischen Adel und Bürgertum verwischten.
Nicht immer und überall reagierte man mit Gleichgültigkeit auf das in alle Richtungen zersplitterte und durch fremde Königshäuser gelenkte Land. Als Reaktion auf die damals neuen demokratischen und republikanischen Lehren und die französische Revolution verband eine kleine politische Elite, der National- und Verfassungsbewegung folgend, die Forderungen nach nationaler Einheit, Selbstständigkeit der unter fremder Herrschaft stehenden Völker sowie die Verwirklichung bürgerlicher Gleichheit. Wie Deutschland so galt auch Italien als „verspätete Nation“, während Engländer, Franzosen und Spanier schon längst den Schritt der Einigung vollzogen hatten.
Aus der Enttäuschung der genannten liberalen Kräfte als Folge des Wiener Kongresses entstand so die Minderheitenbewegung und gleichnamige Epoche des Risorgimento, die den Zusammenschluss der italienischen Staaten forderte und einleitete. [...]
Hier das komplette Buch bestellen!
Miklós Sirokay
Italien: Leben und arbeiten in Italien
124 Seiten, DIN A5, Paperback
